Ettaler Wasserkraft

Strom aus Wasser

Wasserkraft hat schon vor hunderten von Jahren für Bewegung gesorgt. Denn lange, bevor die ersten Schlote rauchten, wurden Mühlen von dieser natürlichen Energiequelle angetrieben. Im Prinzip wird zur Energiegewinnung nur das Gefälle eines Wasserstroms genutzt. Daran hat sich auch heute nichts geändert. Nur, dass bei heutigen Wasserkraftanlagen das Gefälle durch Stauwerke künstlich herbeigeführt wird und statt einer alten Wassermühle eine hochmoderne und effiziente Turbine einen Generator antreibt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde bei der Ettaler Mühle eine Francisturbine durch die Firma Voith, Heidenheim, aufgestellt und ein Wasserrad durch die Firma Stocker, Pfaffenhofen, eingebaut. Das königliche Bezirksamt Garmisch hat mit Beschluss vom 10. Mai 1904 dem Kloster Ettal die gewerbs- und wasserpolizeiliche Bewilligung für seine Stau- und Triebswerbsanlagen bei der Ettaler Mühle erteilt.

Ettaler Wasserkraftwerk

Ettaler Wasserkraftwerk

Im Jahre 1958 erfolgte eine grundlegende Erneuerung der Anlagen. Der den Triebwerkskanal bildende Mühlbach, der aus dem Wasser der Kleinen und Großen Ammer gespeist wird, wurde instand gesetzt. Er hat als Oberwasserkanal eine Länge von ca. 1.440 m und als Unterwasserkanal eine Länge von 1.520 m. Durch eine Erhöhung des Staues im Oberwasser und eine Tieferlegung des Unterwassers konnte eine Vergrößerung der Kraftwerksfallhöhe auf 3,80 m erreicht werden. Der Stauweiher wurde auf eine Fläche von ca. 1,60 ha vergrößert. Der nutzbare Stauraum des Weihers beträgt ca. 4.000 cbm. Ferner wurde ein neuer Dücker unter der Großen Ammer gebaut, das Turbinenhaus erneuert und mit einer neuen doppelt geregelten Kaplan-Turbine mit einer Leistung von 81 kW ausgestattet. Bei Volllast beträgt der Wasserdurchfluss 3 cbm pro Sekunde. Über eine Fernleitung, die vom Turbinenhaus der Ettaler Mühle zum Hauptgebäudekomplex der Klosteranlage führte, versorgte die Ettaler Mühle das Kloster mit elektrischer Energie.

Aufgrund eines Brandschadens wurde in den neunziger Jahren der Generator ausgewechselt und die Fernleitung zum Kloster wegen ihrer Schadhaftigkeit stillgelegt. Der durch die Turbine und den Generator erzeugte elektrische Strom wird nun auf der Grundlage des Energie-Einspeise-Gesetzes (EEG) direkt in das öffentliche Netz eingespeist.
Das Wasserkraftwerk bei der Ettaler Mühle liefert jährlich ca. 350 MW elektrische Leistung, was dem Bedarf von ca. 92 Haushalten entspricht.